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Wie man Fußballergebnisse besser nicht vorhersagen und erklären sollte

Gestern hat der FC Chelsea das Finale der Champions League gegen den FC Bayern München in dessen Stadion im Elfmeterschießen gewonnen (4:3 dabei nach 1:1 in der regulären Partie mit bereits einem von Bayern verschossenen Elfmeter). Meinen Glückwunsch an Chelsea und mein Beileid an Bayern, die den dritten Titelkampf verspielten (nach Meisterschaft und Pokal, die beide nach Dortmund gingen, siehe auch ‘Glückwunsch zum Meistertitel’)!

Tags zuvor hatte Olaf Storbeck vom Handelsblatt noch getönt: “Champions League: Warum Bayern gewinnen wird”. Diese Vorhersage begründete er damit, dass die bayerischen Spieler laut Transfermarkt.de 30 % mehr wert seien. Nun sind diese Zahlen zu Transferzahlungen nicht nur notorisch unzuverlässig, sondern der ganze Ansatz ist problematisch, auf diese Weise einzelne Spielergebnisse vorhersagen zu wollen, wie er selbst zugibt. Denn beim Fußball fallen relativ wenig Tore und ist nicht zuletzt deshalb der Einfluss des Zufalls recht groß. Über viele Spiele hinweg sinkt jedoch der Zufallseinfluss und sollten sich teurere Spieler bezahlt machen, da ansonsten ihr Marktwert entsprechend sinkt. Allerdings gibt es eine ganze Reihe weiterer Effekte, z. B. den Trainer, Synergieeffekte im Team oder auch den Heimspielvorteil, der gestern allerdings auch für Bayern München gesprochen hätte.

Nun schiebt Herr Storbeck heute eine Erklärung für das von ihm gerade nicht vorhergesagte Spielergebnis nach: “Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt”. Das finde ich bereits ganz grundsätzlich problematisch, da solche Erklärungen dann völlig beliebig sind. Womit sich alles erklären lässt, wird in Wirklichkeit nichts erklärt. Konkret finde ich außerdem die nachgeschobene Erklärung weder ökonomisch noch vollständig. Empirisch lässt sich feststellen, dass sich beim Elfmeterschießen der Heimvorteil in einen Heimnachteil verkehrt, da Elfmeter vor eigenem Publikum häufiger verschossen werden. Das ist für sich genommen überhaupt keine Erklärung, sondern eine zu erklärende Beobachtung, während die Spekulationen über die Gründe wie höhere Nervosität und Lähmung durch die Erwartungen der Fans eher psycho- bzw. soziologischer als ökonomischer Art sind.

Die Zahl der verschossenen Elfmeter könnte auch einfach Zufall gewesen sein. Denn selbst wenn jeder Schuss mit einer Wahrscheinlichkeit von 74,25 % verwandelt wird, wie Herr Storbeck aus einer Arbeit von Thomas Dohmen zitiert, hat ein Verschießen von mindestens drei aus sechs Schüssen eine Wahrscheinlichkeit von 18,15 % und von genau drei von 13,98 % (dass alle sechs Schüsse daneben gehen, hat dann jedoch eine Wahrscheinlichkeit von nur 0,03 %). Was nur das Elfmeterschießen am Ende angeht, bei dem der FC Bayern bei zwei von fünf Gelegenheiten nicht traf, so beträgt die Wahrscheinlichkeit genau dafür 27,14 % (wenn jeder einzelne Schuss mit denselben 74,25 % Wahrscheinlichkeit in den Kasten geht und die Ereignisse unabhängig voneinander sind) und für mindestens zwei Fehlschüsse 38,30 %.

Schließlich ist das Elfmeterschießen ein besonders zufallsträchtiger Teil des Fußballspiels. Man würde gar nicht unbedingt erwarten, dass die teurere Mannschaft hier besser ist. Um die Erklärung seiner eigenen (falschen) Prognose wirklich wegzuerklären, müsste Herr Storbeck also zeigen, warum es überhaupt zur Entscheidung durchs Elfmeterschießen kam und der FC Bayern München nicht schon vorher im normalen Spiel gewinnen konnte, obwohl er doch über die teureren und deshalb zumindest aus Sicht des Marktes besseren Spieler verfügt.

Würde Adam Smith heute einen Lehrstuhl erhalten?

Kürzlich war ich bei der Feier eines berühmten Emeritus. Dieser war ganz geknickt, weil ihm ein Kollege gesagt hatte, dass er mit seinen Veröffentlichungen heute nicht einmal mehr zu einem Berufungsvortrag eingeladen, geschweige denn berufen würde. Entsprechend schreibt
Sebastian Thieme in “Die missverstandene Pluralität” (eigentlich einer Kritik von u. a. meinem Beitrag ‘Memorandum von Ulrich Thielemann’, auf die ich vielleicht demnächst näher eingehe):

Doch mit diesem interdisziplinären Vorgehen besäßen z. B. Adam Smith, Max Weber oder Alfred Müller-Armack heute kaum mehr eine Chance, in den Wirtschaftswissenschaften Fuß zu fassen, zu forschen, zu habilitieren oder gar zum Professor berufen zu werden. Die etablierten Fachvertreter würden ihnen den ökonomischen Sachverstand absprechen und sie fragen «ob man überhaupt zu dem betreffenden Fach gehört und gehören will». Als Konsequenz müssten Adam Smith, Max Weber oder Alfred Müller-Armack heute in andere Disziplinen emigrieren.

Was lässt sich darauf entgegnen?

Erstens war Adam Smith gar kein Professor für Wirtschaftswissenschaften, die es in der Form noch gar nicht gab bzw. die als eigenes Fach überhaupt erst von ihm begründet wurden, sondern er war zuerst Professor für Logik und dann für Moralphilosophie.

Zweitens würde jemand, der heute genau dasselbe schreibt wie Adam Smith und andere Geistesgrößen früher, mit Recht keinen Lehrstuhl erhalten, da er ein Plagiator wäre.

Drittens haben sich auch die Methoden, Erkenntnisse und Publikationsformen weiterentwickelt, so dass entsprechende Geistesgrößen heute anders forschen und publizieren würden. Das war übrigens mein Trost an den Emeritus: Zu seiner Zeit hatte er herausragende Publikationen und sonstige Leistungen, welche ihm zu Recht zahlreiche Rufe einbrachten, und wäre er heute jung, würde er mit seinen Talenten wieder herausragende, allerdings andere, der heutigen Zeit gemäßere Publikationen und Leistungen schaffen, für die er berufen würde.

Viertens hatten es große Geister früher auch nicht unbedingt leichter als heute. Neue Ideen haben es immer schwer, ganz einfach weil sie neu sind. Nun gilt, dass alle genialen Ideen irgendwie neu sind, aber nicht alle neuen Ideen genial. Die meisten Ideen sind nicht wirklich gut bis ziemlich schlecht und das Erkennen der wirklich genialen nimmt minunter Jahrhunderte in Anspruch.

Fünftens ist einfach nicht zu sehen, dass die pauschalen Kritiker der heutigen Ökonomik irgendwelche genialen Leistungen vorzuweisen hätten. Herr Thieme oder auch Herr Thielemann, wo ist denn Ihr Werk, welches Sie mit “The Wealth of Nations” auf eine Stufe stellen könnten? Zeigen Sie es mir, dann setze ich mich sofort für Ihre Berufung ein.

Fazit: Die Zeiten ändern sich, doch geniale Köpfe werden immer gebraucht, einigermaßen talentierte auch, während nicht jeder, der es von sich glaubt, tatsächlich die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Ein heutiger Adam Smith bekäme nicht nur einen Lehrstuhl, sondern einen Nobelpreis, würde aber von Herrn Thielemann & Co. als “ökonomistisch” und schlimmer beschimpft werden.

Memorandum von Ulrich Thielemann

Ulrich Thielemann hat zusammen mit anderen “MeM – Berliner Denkfabrik für Wirtschaftsethik” gegründet, wobei “MeM” für “Menschliche Marktwirtschaft” steht, mit Marktwirtschaft allerdings wenig zu tun hat und auch die Menschlichkeit hinterfragt werden kann, so wie auch Herr Thielemann sich gerne als “Wirtschaftsethiker” bezeichnet, jedoch eher ein ‘Antiwirtschaftsmoralist’ ist. Sie merken schon, dass ich nicht die höchste Meinung von ihm habe. Diese Einstellung umfassend zu begründen, würde jetzt zu weit führen, doch an einem konkreten Beispiel möchte ich die Differenz aufzeigen:

Thielemann et al. haben “Für eine Erneuerung der Ökonomie: Memorandum besorgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler” verfasst, wobei die meisten Unterzeichner keine Wirtschaftswissenschaftler sind. Nach Verweis auf eine Reihe mehr oder minder vernünftiger anderer Kritiker der gegenwärtigen Ökonomik wird behauptet:

Zu einer Wissenschaft gehört paradigmatische Vielfalt.

Argumente dafür werden nicht angeführt. Ich halte es da eher mit Thomas Kuhn, der den Beriff ‘Paradigma’ prägte und zumindest für die Naturwissenschaften konstanierte, dass diese stets ein vorherrschendes Paradigma aufweisen, welches nur in schwerwiegenden wissenschaftlichen Krisen durch ein anderes ersetzt werden kann. Vielleicht führt die ökonomische Krise zu einer solchen schwerwiegenden wissenschaftlichen Krise für die Ökonomik, doch dann geht es jetzt trotzdem nicht um “paradigmatische Vielfalt”, sondern die Suche nach und Etablierung von einem neuen, besseren Paradigma. Alternativ kann sich eine Wissenschaft auch in einer vorparadigmatischen Phase befinden, die aber ebenfalls durch ein Paradigma abgelöst würde und nicht eine Vielzahl davon. Vielleicht (so klar ist der ‘Paradigma’-Begriff nicht) ist “paradigmatische Vielfalt” sogar eine condradictio in adjecto, auf jeden Fall handelt es sich bei dem damit verbundenen Relativismus nicht um eine fruchtbare Diskussionsgrundlage. Wenn es fachliche Differenzen gibt, sollte darüber diskutiert und nach der größten Erkenntnis gesucht werden, statt dass man sich damit zufrieden gibt, dass jeder seine eigene Wahrheit hätte.

Die paradigmatische Öffnung der Wirtschaftswissenschaften muss daher auch und vor allem von außen angestoßen werden.

Wie soll das gehen? Wer kein Wirtschaftswissenschaftler ist, kann schlecht Wirtschaftswissenschaft betreiben. Wirtschaftssoziologen, -psychologen etc. sind Vertreter anderer Fächer, die gute Soziologie, Psychologie etc. über die Wirtschaft betreiben mögen, aber eben gerade keine Ökonomik.

Eine Wissenschaft, die mit der Reflexion ihrer eigenen paradigmatischen, einschließlich ihrer normativen Grundlagen abgeschlossen hat, ist nur mehr der Form nach eine Wissenschaft.

Das mag so sein oder auch nicht, doch auf jeden Fall trifft es auf die Ökonomik gar nicht zu. Ich nenne mich nicht umsonst ‘Wirtschaftsphilosoph’ und bin offen für jede Diskussion. In dieser Diskussion bin ich allerdings der Ansicht, dass Herr Thielemann nichts Sinnvolles zur Ökonomik beizutragen hat, sondern im Gegenteil von den eigentlichen Fragen ablenkt und z. B. die Wirtschaftsethik, die eine wichtige und besonders schwierige Teildisziplin ist, mit platten antiökonomischen Thesen diskreditiert.

Wir fordern die für die Wahrung der Wissenschaftlichkeit des Hochschulwesens zuständigen Instanzen, wie insbesondere den Wissenschaftsrat, auf, die wissenschaftspolitischen Weichen so zu stellen, dass innerhalb der Wirtschaftswissenschaften wieder eine paradigmatische Pluralität von Sichtweisen Einzug hält.

Ist das mit der Öffnung “von außen” gemeint? Sollen nicht mehr Wissenschaftler nach wissenschaftsimmanenten Kriterien Wissenschaft betreiben, sondern Politiker und Funktionäre ihnen Vorgaben machen? Woher sollen diese wissen, welche Paradigmen es gibt und welche davon einigermaßen sinnvoll sind und welche völliger Unsinn? Herr Thielemann würde ihnen da offensichtlich etwas ganz anderes raten als ich.

Dazu zählt insbesondere eine deutliche Relativierung bibliometrischer Kriterien für die Bemessung akademischer Forscherkarrieren, da durch diese nicht etwa wissenschaftliche Qualität, sondern die Konformität mit dem vorherrschenden Kernparadigma sichergestellt wird.

Das hängt stark davon ab, welche Kriterien wie verwendet werden. Zumindest potentiell kann es doch viele verschiedene wissenschaftliche Schulen geben, die in ihren je eigenen Zeitschriften viel schreiben und zitiert werden. Auf jeden Fall sollte jeder angehende Professor einige von anderen Wissenschaftlern begutachtete Beiträge vorweisen können, siehe meine ‘Vorschläge für Publikationsanforderungen’. Im recht umfangreichen Publikationsverzeichnis von Herrn Thielemann kann ich dagegen gerade einmal zwei referierte Beiträge in deutschen Fachzeitschriften entdecken, davon einmal erklärtermaßen nicht als “Erstautor”. Das finde ich etwas dürftig für einen Privatdozenten, auch wenn es seine Ablehnung wissenschaftlicher Standards vermutlich gut erklärt.

Wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt ist nicht messbar, sondern letztlich nur substantiell beurteilbar.

Auch diese unbegründete Aussage lässt Fragen offen: Wer beurteilt “substantiell”? Nach welchen unmessbaren Kriterien? Wie gelingt das über die paradigmatischen Grenzen hinweg? Gibt es nach dieser Sichtweise überhaupt “Erkenntnisfortschritt”, worin würde dieser bestehen und welche Konsequenzen hätte er, wenn alte Paradigmen doch vielfältig fortbestehen sollen?

Wir fordern die für die Ausrichtung von Curricula zuständigen Instanzen auf, heterodoxe und interdisziplinäre Inhalte in die Lehrpläne aufzunehmen. Hierzu zählt insbesondere auch die Integration von Veranstaltungen, die sich sowohl mit den praktischen Folgen der wirtschaftswissenschaftlichen Theoriebildung als auch mit den paradigmatischen Grundlagen dieser selbst ethisch-kritisch auseinandersetzen.

Hier stimme ich sogar zu, wenngleich ich inhaltlich vermutlich ganz andere Vorstellungen habe, was da wie integriert werden soll. Ich bin mir auch nicht sicher, ob den Verfassern klar ist, wer “die für die Ausrichtung von Curricula zuständigen Instanzen” sind, nämlich in erster Linie die Fachbereiche und damit letztlich die gescholtenen Ökonomen.

Wir fordern die Förderer von Wissenschaft und Forschung dazu auf, Vorkehrungen dafür zu treffen, dass bei der Vergabe von Fördermitteln die paradigmatische Pluralität gewahrt und ein perspektivischer Monismus vermieden wird.

Ich fordere “die Förderer von Wissenschaft” dagegen dazu auf, möglichst gute Forschung zu fördern, von wem auch immer sie stammen mag. Quotierung auch für schwache Ansätze, weil sie vielleicht einmal stark waren, es irgendwann werden könnten oder nach Ansicht ihrer Vertreter sein sollten, lehne ich ab. Es möge das bessere Argument gewinnen und nicht das schlechtere bewahrt werden.

Die Wirtschaftswissenschaften gestalten durch ihre Empfehlungen und durch die von ihnen vermittelte Weltsicht das Gesellschaftsleben in vielfacher Weise nachhaltig mit. Ihr Anspruch als eine reife, undogmatische Sozialwissenschaft sollte darin bestehen, der guten und gerechten Ordnung der Gesellschaft dienlich zu sein.

Nein, jeder Wissenschaft als Wissenschaft geht es um systematische Erkenntnis. In der Folge mag das der Gesellschaft nutzen, doch der unmittelbare Nutzen ist nicht das Ziel von Wissenschaft und wird verfehlt, wenn man ihn trotzdem direkt anstrebt. Was unter “der guten und gerechten Ordnung der Gesellschaft” zu verstehen ist, steht auch nicht a priori fest, sondern ist vor allem philosophisch und politisch zu diskutieren. Hier scheint mir Pluralismus viel eher angebracht als beim Paradigma einer Wissenschaft.

Another Response to The Lumpy Economist

I am glad to answer (again) to Rüdiger Bachmann alias The Lumpy Economist and his post “The Wirtschaftsphilosoph Responds”, this time at both our blogs simultaneously and thus for the first time in English.

In fact, we do not need dissertations at all. Let the academic market via reputation and publication decide these things. I am of course aware that there is potential for market failure, but by and large the US (and now international) Economics job market system works. People there take professorships without even having finished a dissertation.

I think we are talking about different markets and experiences here. For the best universities and academics I do agree. Formal degrees are neither necessary nor sufficient for excellent scholars. Nevertheless, degrees can be valuable signals of scholarship that is not evident. On average, someone with a doctorate from a good university is better than someone without and the same holds for a habilitation. I have seen several searches for professors in which only the lack of a habilitation or any equivalent prevented the hiring of an academically very poor candidate. The same is true for the doctorate at universities of applied sciences without which many more practitioners without any academic credentials would be appointed. Also in the USA outside of the small circle of top universities the requirement of a PhD for professors is sensible. Good would-be professors can quite easily write a dissertation or even hand in their articles as a cumulative one such that I always wonder why applicants have not already done so if they are really so good.

What did I mean by “ist gar nicht klar, dass vergleichbare, nur dann offensichtlich schlechtere Bedingungen als an US-Spitzenhochschulen wirklich die bessere Wettbewerbsstrategie sind als ein Nischenplatz mit langer Tradition und eigenen Liebhabern“? I was talking about an important general point that is not only relevant for universities but also commercial companies or economic systems. Often there is not just one best strategy everyone should try to copy. Firstly, there could be different equilibria. Several of them could be equally good. Even if one is the absolutely best one, the second one could be only slightly worse such that the switching costs would be higher than any gain from switching. Secondly, one equilibrium does not mean that all players must have the same optimal strategy. Even if strategy A is clearly the best one, the best answer to it could be strategy B, while all players playing strategy A could be detrimental to all of them or all others but the first mover. For the second mover a niche strategy could be much better. This is especially true for German universities that (should) know that they cannot beat the best American universities and what happens to the losers in the USA that are in a much worse position and shape than any German university is.

First, there is the idea of insurance – maybe by making a scientific career too risky we select the wrong people in there (we could lose brilliant, but risk-averse people), but even if we do not, providing insurance is welfare-improving. So having a system that tells people at the end of their twenties, whether they have a shot, versus a system that tells it to them at the end of their thirties or mid-forties is different in that respect.

This is a strong argument but the price for the proposed insurance could be too high. Yes, too much risk in academia (for the young academics, not tenured professors) is a problem because it lowers welfare and may attract the wrong kind of people. However, who decides on which evidence who is hired for life in his or her twenties and who will never be hired whatever (s)he may perform thereafter? I think such decisions would be quite poor. Instead, it should be as clear as possible what is expected to get tenure. Then everybody who wants to try it should have a chance.

Secondly, in society we have – for good reasons – other provisions that prevent us from making ourselves unfree. For example, any German labor court would void any labor contract that binds an employee for the rest of his life to an employer (although committing to stay no matter what may be the bilateral optimal thing to do). Right now the state government of NRW has com[m]itted to “feed” me for the rest of my life, but I have no such obligation to the NRW government to work for them (I am sure this would be unconstitutional). Of course, we can debate whether the Privatdozenten case is such a case (and I am also sure that there are many Privatdozenten that are happy and treated well), but I do not think it takes too much of a liberal paternalism to see that some of these contracts are close to exploitation that maybe we should young (and maybe a little naive and enthusiastic) researchers protect from.

I am not sure what Rüdiger Bachmann is talking about here. It is correct that labour contracts binding employees for life are forbidden. Consequently, there exist no such contracts, neither at German universities nor anywhere else. There is no contract at all for a Privatdozent as such. This is a title, not a job, and one gets it after a successful habilitation and not by signing any contract. The real problem for Privatdozenten is that the title entails no money such that they either need some private funds (there comes the name from) or a job, either at the university or outside. The follow-up problem for Privatdozenten is that there are so few good and tenured jobs besides professorships at German universities such that most of them hold short-term and poorly paid appointments. How denying them even those opportunities helps them in any way or why it is even be called “social” I cannot understand. Good for all current Privatdozenten would be guaranteed life-time employment after the habilitation. However, this would destroy the academic prospects and opportunities for many younger academics.

Wahl-O-Mat zur NRW-Wahl

Spaßeshalber habe ich die 38 Fragen beim Wahl-O-Mat zur NRW-Wahl beantwortet, die die eigene Meinung mit den Aussagen aus den Wahlprogrammen aller an der NRW-Wahl teilnehmenden Parteien vergleicht. Auf eine (doppelte) Gewichtung einzelner Antworten oder das Überspringen einzelner Fragen habe ich verzichtet und damit folgende Reihenfolge der Parteien erzielt (dahinter stehen die erzielten von 76 möglichen Punkten):

1. Partei der Vernunft (56)

2. pro NRW (50)

3. FDP (47)

4. Freie Wähler (46)

5. Piraten (43)

6. AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie – Christen für Deutschland (42)

7. BIG – Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit (40)

7. CDU (40)

9. SPD (33)

10. Die PARTEI (39)

11. NPD (37)

12. Familien-Partei Deutschlands (36)

13. ÖDP (35)

14. Grüne (32)

15. Die Linke (28)

16. Freie Bürger-Initiative/Freie Wähler (26)

17. Tierschutzpartei (25)

Partei der Vernunft auf Platz 1 finde ich irgendwie passend für mich als Wirtschaftsphilosoph, zumal deren Motto lautet: “Wir lieben Freiheit.” Allerdings kenne ich die Partei bislang gar nicht und werde sie mir wohl einmal näher anschauen.

Noch vor einem Jahr hätte ich bei solch einem Ergebnis gesagt, dass die Partei keine Chance hat und Platz 2 ohnehin nicht in Frage kommt, so dass ich die FDP auf Platz 3 wählen sollte. Doch die hat jetzt auch schlechte Chancen und einen völlig bescheuerten Wahlspruch: “Lieber neue Wahlen als neue Schulden.” Das hätte man zum ESM etc. sagen müssen, während sich nun die Partei selbst für diese Wahlen verschuldet. Außerdem ist noch keiner meiner ‘Zehn Punkte zur Rettung der FDP’ umgesetzt worden, so dass auch die Freien Wähler und die Piraten in meiner engeren Wahl bleiben.