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Steuererklärung fertig

Heute habe ich knapp einen Arbeitstag damit verbracht, meine Steuern zu erklären. Dabei wurde mir nichts erklärt und ich habe auch auf einen Steuerberater verzichtet, den man erstens ohnehin nicht mehr von der Steuer absetzen kann (obwohl er nur auf legale Formen der Steuerersparnis hinweisen dürfte, was das Finanzamt von sich aus nicht macht, um möglichst mehr als das gesetzlich dem Fiskus Zustehende zu kassieren) und der einem zweitens die Hauptmühe gar nicht abnimmt, nämlich alle Belege zusammenzutragen.

Dabei ist mir aufgefallen, dass immer weniger Vereine Steuerbescheinigungen verschicken. Für kleinere Beträge reicht auch ein Nachweis über den Kontoauszug, was dann zu mühseligen Kopier- und Bastelarbeiten führt, da ich nicht all meine Kontobewegungen dem Finanzamt vorführen möchte. Vielleicht sollte ich deshalb ein paar Vereinen den Rücken kehren. Ganz besonders dreist ist eine Alumni-Organisation, der ich eine Einzugsermächtigung erteilte, damit sie mich jetzt wegen Beitragsrückständen mahnt. Doch ich schweife ab, eigentlich geht es mir heute um einen der letzten Frondienste. Ich würde gerne auf das Steuererklären verzichten und dafür sogar freiwillig etwas mehr Steuern zahlen bzw. verzichte umgekehrt auf einige Zuverdienstmöglichkeiten, die zu viel Bürokratie nach sich ziehen, während ich alle Selbständigen allein dafür bewundere und zugleich bedauere.

Schon jetzt gebe ich nicht jede Kleinigkeit an, obwohl der Stundenlohn dafür wohl hoch wäre und ich gesetzeswidrig handele, wenn ich nur einen Euro zusätzlicher Einnahmen anzugeben vergessen (siehe ‘Gegen automatische Haftstrafe bei hoher Steuerhinterziehung’). Ärgerlich ist auch, wenn die betreffenden Bescheinigungen fehlerhaft sind oder erst nach dem 31. Mai kommen, zu dem verpflichtende Erklärungen eingehen müssen. Das einzig Schöne ist, dass sich auch nach solch einem Unsinn das Glücksgefühl einstellt, etwas geschafft zu haben (siehe ‘Glücksgefühle nach dem Schreiben’).

Gedanken zum Betreuungsgeld

Um das sogenannte Betreuungsgeld wird aktuell politisch stark gestritten. Doch worum geht es eigentlich? In Deutschland gibt es bereits einen Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze für Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung. Dieser wird in gut einem Jahr auf Krippenplätze für ein- und zweijährige Kinder erweitert, ohne dass solche recht aufwendigen und teuren Plätze in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen würden. Ein Betreuungsgeld in Höhe von 100 Euro und später 150 Euro soll nun an diejenigen Eltern gezahlt werden, die ihr Kind nicht zur Kinderkrippe schicken. Damit ist es zuerst einmal  ein Mittel, eine Klagewelle aufzuhalten und viel höhere Entschädigungen für das Nichterfüllen des neuen Anspruchs auf Krippenplätze zu vermeiden. Das erscheint ökonomisch sinnvoll.

Interessanter ist die Frage nach den mittel- und längerfristigen Folgen des Betreuungsgeldes. Dabei ist auch nach dem Sinn des Rechtsanspruchs auf Kinderkrippenplätze zu fragen. Sollen die Eltern nun diese Plätze nutzen oder gerade nicht? Dabei erscheint es sinnvoll, drei  Gruppen von Eltern bzw. faktisch immer noch vor allem Müttern zu unterscheiden:

Erstens gibt es Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen wollen und das auch gut können. Das ist vollkommen in Ordnung und die Betreuung vermutlich effektiver, wenn auch nicht effizienter, als in Kinderkrippen, wo die Kinder gar nicht so individuell betreut werden können. Das Betreuungsgeld wäre für diese Personen eine willkommene Ergänzung zum Kindergeld, doch es ist nicht entscheidungsrelevant.

Zweitens gibt es Eltern bzw. Frauen, die sich gut um ihre Kinder kümmern können, aber daneben auch arbeiten wollen. Ihnen fehlen bislang hinreichende Betreuungsangebote, für die sie auch bezahlen würden. Sie brauchen kein Betreuungsgeld, sondern tatsächlich Krippen- und Kindergartenplätze, deren Subventionierung sie mitnehmen, aber nicht brauchen.

Drittens gibt es Eltern, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage oder willens sind, ihre Kinder hinreichend gut zu betreuen, so dass diese in Kinderkrippe und -garten besser aufgehoben wären. Diese Personen werden sich häufig, wenn auch nicht immer, von einem Betreuungsgeld davon abhalten lassen, ihre Kinder dorthin zu schicken, was kontraproduktiv wäre.

Deshalb ist das Betreuungsgeld insgesamt eine dumme Idee, weil es nur dort verhaltenswirksam wird, wo es gerade nicht sinnvoll ist. Eine allgemeine Erhöhung des Kindergeldes und sozial gestaffelte Gebühren bzw. Gutscheine für Kinderkrippen und -gärten wären viel besser.

Glücksgefühle nach dem Schreiben

Es gibt mir ein gutes Gefühl, eine schriftliche Arbeit fertigzustellen. Wenn ich zum Beispiel einen Aufsatz geschrieben habe, fühle ich mich glücklich (fast wie nach einer sportlichen Leistung). Das Gefühl kann ich auch mehrfach beim gleichen Aufsatz haben, z. B. nach dem ersten Entwurf (dagegen weniger beim Schreiben selbst), dessen Überarbeitung, der Einsendung bei einer Zeitschrift, der Überarbeitung dafür, der Einsendung anderswo, schließlich der Veröffentlichung. Es gilt auch für andere und kleinere Arbeiten, etwa wenn ich ein Gutachten über einen fremden Beitrag geschrieben habe oder auch einfach einen Blog-Beitrag (zumindest einen längeren als diesen). Das hat zwei Vorteile und einen Nachteil: Erstens habe ich so recht häufig Glücksgefühle und zweitens motiviert es mich zum Schreiben. Dummerweise schafft es auch einen Anreiz, viele und eher unwichtige Sachen zu schreiben statt einige wirklich wichtige.

Zur Urheberrechtsdebatte

Unter dem Motto “Mein K©pf gehört mir” hat das Handelsblatt eine Kampagne gegen die Piratenpartei und für Urheberrechte gestartet (siehe “Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten”). Allerdings ist das geistige Niveau dieses Plädoyers für geistiges Eigentum recht niedrig, siehe z. B. diese detaillierte Kritik von Thomas Knüwer oder auch diesen Kommentar von Dirk Elsner.

Völlig unhaltbar ist z. B. die Gleichsetzung von Wert und Preis. Die Luft zum Atmen ist viel mehr wert als alle Diamanten dieser Erde, doch ihr Preis liegt bei null und die Welt wäre viel schlechter, wenn dies anders wäre. Wirtschaft dient dazu, optimal mit Knappheiten umzugehen, nicht diese künstlich zu schaffen. Ideen, die in der Welt sind, können (nahezu) kostenlos kopiert werden und sind nicht rival im Konsum. Deshalb handelt es sich um Kollektivgüter, wenn nicht Ausschluss rechtlich oder technisch geschaffen wird, der jedoch für sich genommen ineffizient ist (vgl. ‘Kollektiv- und andere Güter’).

Der einzig mögliche vernünftige Grund für einen solchen Ausschluss und damit z. B. Urheber-, Verwertungs- und Patentrechte ist das Faktum, dass die Produktion neuer Ideen bzw. allgemeiner immaterieller Güter mit Aufwand verbunden ist. Allerdings sind solche rechtlichen Beschränkungen längst nicht die einzige Möglichkeit zur Wissensproduktion und häufig sind sie sogar ein Hemmschuh dagegen. So werden viele geistigen Erzeugnisse einfach so, aus Spaß an der Freude, aus Konsumgründen oder aus Sendungsbewusstsein erstellt. Ich verdiene z. B. nichts an diesem Blog und er hat keinen Einfluss auf meine Besoldung, höchstens langfristig einen negativen, wenn ich seinetwegen wissenschaftlich weniger produktiv sein sollte. Für meine wissenschaftlichen Artikel werde ich vom Staat bezahlt. Ähnliches gilt für die scheinheiligen Tatort-Autoren (siehe ihren offenen Brief), denen nicht kostenlos Zuschauende etwas vorenthalten, sondern die umgekehrt von den öffentlich-rechtlichen Sendern aus dem zwangsweisen Gebührenaufkommen auch von Nichtzuschauern (siehe ‘Üble Rundfunkabgabe ist beschlossen’) bezahlt werden. Sehr häufig ist auch eine Kuppelproduktion, bei der eine Leistung (z. B. Lehre) bezahlt wird und eine andere ohne zusätzliche Bezahlung nebenbei erbracht wird (z. B. Forschung, die ich ohne Gehaltseinbußen einstellen könnte). In anderen Fällen finanziert Werbung den Inhalt, der beiden zusammen die geldwerte Aufmerksamkeit verschafft. Der Wert von Patenten ergibt sich in der Regel daraus, dass die patentierten Ideen in verkäufliche Produkte eingebunden werden. Der direkte Patenthandel findet dagegen gar nicht mit Endkunden statt, sondern zwischen vergleichbaren Produzenten.

Ob Schutzrechte für immaterielle Güter sinnvoll sind, ist mithin weniger eine moralische als eine empirische Frage. Wenn sie die Wissensproduktion mehr lähmen als anregen, spricht das klar gegen sie bzw. zumindest für eine andere Ausgestaltung (umgekehrt gehört jedem Kreativen natürlich sein Kopf, in dem Ideen auch zurückgehalten werden könnten, wenn sie nicht meistens auch ohne Bezahlung hinaus in die Welt drängen würden). Grundlegende Urheberrechte, wie sie gerade in der Wissenschaft üblich sind, sind wohl mehr nützlich als schädlich. Das gilt z. B. für korrektes Zitieren fremder Werke und Ideen, wobei letztere auch Allgemeingut werden können, dessen Urheber nicht mehr benannt werden muss oder sogar gar nicht mehr bekannt ist. Bei Verwertungsrechten sieht die Sache oft schon anders aus. Verlage oder Plattenlabels sind in der Regel nicht selbst kreativ tätig, sondern bieten Dienstleistungen zwischen kreativen Produzenten und Konsumenten an, die bei deren direkter Interaktion, z. B. über das Internet, an Wert verlieren. Dass das Handelsblatt dagegen kämpft, ist nachvollziehbar, doch im Interesse der Urheber oder gar Konsumenten ist dieser Kampf vermutlich nicht (so sollen die Urheber häufig viel mehr Rechte abtreten, als sie wollen).

Wie sähe ein faires und vor allem effizientes Urheberrecht aus? Vermutlich gibt es darauf keine eindeutige und für alle Zeiten gültige Antwort. Neue Technologien wie der Buchdruck, die bespielbare Leerkassette oder das Internet verändern die Situation. Ziel sollte eine weitestgehende Nutzung(smöglichkeit) der vorhandenen geistigen Güter bei Anreizen zur (auch qualitativ hochstehenden) Neuproduktion sein. Insbesondere Einschränkungen für kreative Produzenten sind dabei schädlich. Dagegen ist das reine Kopieren durch kommerzielle Anbieter eher zu untersagen, wobei die Grenze fließend verlaufen kann (wann eine Idee hinreichend neu ist). Die private Nutzung ist weitestgehend zu erlauben. Wer z. B. etwas aus dem Internet herunterlädt, ist kein Krimineller (der Anbieter im Internet dagegen unter Umständen schon, wenn er sich kreative Leistungen anderer ohne deren Einverständnis angeeignet hat). Schließlich tragen lange Schutzzeiten wenig zur kreativen Produktion bei und nachträgliche Verlängerungen dieser Zeiten überhaupt nichts. Zeitlich differenzierte Verwertungsmodelle machen hingegen Sinn, wie sie sich an den Märkten auch herausbilden, also z. B. Filme zuerst teuer im Kino, dann auf DVD und im Bezahlfernsehen, danach für die Zuschauer kostenlos auf werbe- oder gebührenfinanzierten Kanälen, am Ende völlig frei im Internet.

Was ich an Fernreisen hasse

Es ist schön, andere Länder zu besuchen. Was weniger schön ist, ist der lange Weg dorthin oder von dort zurück (auf dem ich mich hoffentlich gerade befinde, wenn dieser Eintrag veröffentlicht wird). Wie lange eine Reise dauert, hängt natürlich stark vom Verkehrsmittel ab. Zu Fuß ist die Nachbarstadt oft weiter entfernt als das andere Ende der Welt mit dem Flugzeug. In der Vergangenheit waren Kutschfahrten auf schlechten Wegen auch nicht sonderlich schnell oder bequem. Das Mittel der Wahl für Fernreisen ist heutzutage das Flugzeug (je nach Land gingen auch Schiff, Zug oder Pkw, mit denen man jedoch viel länger unterwegs ist).

Allerdings sind Flugzeugreisen seit Jahrzehnten nicht schneller geworden (dafür aber viel billiger). Hier kommt nun mein Problem: Ich hasse es, viele Stunden eingezwängt in einem Flugzeug sitzen zu müssen, in das man inzwischen nicht einmal mehr eigene Getränke mitnehmen darf. Wahrscheinlich habe ich mir bei einem Langstreckenflug sogar ein dauerhaft Knie ruiniert. Schlafen kann ich im Flugzeug nicht. Wenn Reisen überhaupt einen Erholungseffekt hat, wird er beim langen Rückflug wieder aufgehoben. Danach bin ich sozusagen urlaubsreif. Das spricht dafür, nicht so weit zu verreisen, was ich deshalb meistens auch (nicht) mache. Aber manchmal will man eben auch ferne Länder sehen, trotz der damit immer noch verbundenen Strapazen.