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Steuererklärung fertig

Heute habe ich knapp einen Arbeitstag damit verbracht, meine Steuern zu erklären. Dabei wurde mir nichts erklärt und ich habe auch auf einen Steuerberater verzichtet, den man erstens ohnehin nicht mehr von der Steuer absetzen kann (obwohl er nur auf legale Formen der Steuerersparnis hinweisen dürfte, was das Finanzamt von sich aus nicht macht, um möglichst mehr als das gesetzlich dem Fiskus Zustehende zu kassieren) und der einem zweitens die Hauptmühe gar nicht abnimmt, nämlich alle Belege zusammenzutragen.

Dabei ist mir aufgefallen, dass immer weniger Vereine Steuerbescheinigungen verschicken. Für kleinere Beträge reicht auch ein Nachweis über den Kontoauszug, was dann zu mühseligen Kopier- und Bastelarbeiten führt, da ich nicht all meine Kontobewegungen dem Finanzamt vorführen möchte. Vielleicht sollte ich deshalb ein paar Vereinen den Rücken kehren. Ganz besonders dreist ist eine Alumni-Organisation, der ich eine Einzugsermächtigung erteilte, damit sie mich jetzt wegen Beitragsrückständen mahnt. Doch ich schweife ab, eigentlich geht es mir heute um einen der letzten Frondienste. Ich würde gerne auf das Steuererklären verzichten und dafür sogar freiwillig etwas mehr Steuern zahlen bzw. verzichte umgekehrt auf einige Zuverdienstmöglichkeiten, die zu viel Bürokratie nach sich ziehen, während ich alle Selbständigen allein dafür bewundere und zugleich bedauere.

Schon jetzt gebe ich nicht jede Kleinigkeit an, obwohl der Stundenlohn dafür wohl hoch wäre und ich gesetzeswidrig handele, wenn ich nur einen Euro zusätzlicher Einnahmen anzugeben vergessen (siehe ‘Gegen automatische Haftstrafe bei hoher Steuerhinterziehung’). Ärgerlich ist auch, wenn die betreffenden Bescheinigungen fehlerhaft sind oder erst nach dem 31. Mai kommen, zu dem verpflichtende Erklärungen eingehen müssen. Das einzig Schöne ist, dass sich auch nach solch einem Unsinn das Glücksgefühl einstellt, etwas geschafft zu haben (siehe ‘Glücksgefühle nach dem Schreiben’).

Weitere Überlegungen zu Privatdozenten

Nach ‘Privatdozenten’ schrieb ich gestern meinen ersten englischen (Gast-)Beitrag ‘Another Response to The Lumpy Economist’, worauf Rüdiger Bachmann nochmals antwortete mit “Privatdozenten continued…”. Darauf antworte ich jetzt noch einmal mit diesem Beitrag auf Deutsch, da es beim “Lumpenökonom” keine Kommentarmöglichkeit gibt und ich die Gastfreundschaft dort mit Gastbeiträgen nicht überstrapazieren will. Gegebenenfalls sollten wir die Diskussion bei den Kommentaren hier fortführen. Zumindest werde ich weitere Antworten zu diesem Thema dann hier einstellen, wobei sich auch jeder sonst an der Diskussion beteiligen mag.

I hope I will never be at such a University. If that happens – maybe we should switch to a system, where only outside and qualified comittees can choose appointees, if the existing faculty is not qualified to do so.

Gravierende Probleme bei Berufungsverfahren kommen an fast allen Universitäten vor, zumindenst wo ich nähere Informationen hatte, sei es als Berufungskommissionsmitglied, Gutachter, Bewerber oder einfach Zuhörer. Outsider sind dabei häufig nicht die Lösung, sondern ein gravierender Teil des Problems. Wer wählt sie aus und beurteilt ihre Qualifikationen? Vor allem haben sie eigene Interessen. In Österreich entscheiden jetzt wohl externe Gutachter statt der internen Berufungskommission. Dabei kommt es vor, dass der Gutachter sich bei einem eigenen Habilitanden nicht etwa für befangen erklärt, sondern diesen für Platz 1 nominiert und damit Erfolg hat.

[T]his circle is much bigger than the Wirtschaftsphilosoph intimates. [...] Besides Harvard and Stanford, Yale or Princeton there are many, many excellent public universities that should be the role model for German public universities, and they play by essentially the same rules as the Ivy League. My guess, we have at least a 50, if not 100 such universities in the US[.]

Meinetwegen kann es auch 200 oder 300 sehr gute US-Universitäten geben, die besser sind als der deutsche Durchschnitt. Aber laut Wikipedia gibt es über 3.000 Senior Colleges in den USA. Davon sind etliche schlechter, als man sich das hier in Deutschland überhaupt vorstellen mag. Das System ist ganz anders, viel freier und ungleicher als bei uns. Es gibt kein Zulassungsverfahren für Hochschulen, jeder kann eine eröffnen, weshalb auch Akkreditierungen so wichtig sind, die uns hierzulande völlig unnötig vorgeschrieben werden. Bei einem Systemvergleich oder sogar dem Versuch der Systemübertragung ist es nicht angemessen, nur die Spitze, sei es nun das oberste Prozent oder die obersten zehn Prozent, zu betrachten und den Rest unter den Tisch fallen zu lassen.

There is maybe another idea (or really ideology) that we may have to think about: is it really the case that every German faculty, every German professor should advise dissertations or habilitations? What for? If they do not publish themselves?

Das ist natürlich ein Problem. Allerdings geht der hiesige Trend gerade in die andere Richtung. Auch Fachhochschulprofessoren sollen promovieren dürfen, selbst wenn sie gar nicht forschen. Bei den Universitätsprofessoren ist das hiesige Lehrstuhlsystem mit Mitarbeitern zu berücksichtigen. Ohne wissenschaftlichen Mittelbau bricht die hiesige Lehre zusammen, während dessen größter Anreiz die Promotion ist. Dies unterstreicht, dass punktuelle Änderungen oft mehr Schaden als Nutzen anrichten. Eine komplette Systemumstellung ist allerdings auch mit Risiken und vor allem hohen Kosten verbunden. So müssten viel mehr Professoren eingestellt werden. Das mag die Probleme vieler Privatdozenten lösen, doch gerade in marktgängigen Fächern gibt es schon heute oft nicht genug hinreichend qualifizierten Nachwuchs.

[W]hy should we produce doctores that do not want to work academically and only want to have a title for more money – is that really our job as universities? I would think not.

Ich denke doch. Ebenso könnte man fragen, warum wir Bachelor- und Masterstudenten ausbilden, die nicht an der Universität bleiben wollen. Die wollen auch nur einen Titel und mehr Geld verdienen. Doch die (Aus-)Bildung von Akademikern war und ist noch immer die wichtigste Aufgabe von Hochschulen. In gewisser Weise sind die Doktoranden heutzutage überhaupt erst die eigentlichen Studenten, jedenfalls im Sinne Humboldts, die in der Gemeinschaft mit den Lehrenden und durch eigene Forschung lernen.

 [A] nice side effect would be that we will not get Guttenberg dissertations anymore (a phenomenon that is largely absent in the U.S.), where people become doctores without any academic intentions. I would say: lets make the doctoral dissertation again what it should be – a certification for scientific ability (not for cocktail parties) and get rid of all the other stuff.

Die erwischten Plagiatoren waren zumindest bislang alle externe Doktoranden. Vielleicht sollte man die externe Promotion ganz abschaffen (statt eine große Quantität an Promotion mit zusätzlichen Mitteln zu belohnen), da die entsprechenden Dissertationen meist schlecht, wenn nicht gar gefälscht, sind und durch sie die Preise für die Mitarbeiter verdorben werden. Ansonsten besteht der Wert einer Promotion natürlich gerade darin, wissenschaftliche Fähigkeiten bzw. eine eigenständige wissenschaftliche Leistung nachzuweisen, was offensichtlich nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch außerhalb wertvoll ist.

I simply fail to see why German universities can keep partial competitiveness by sticking to Habilitation and Privatdozenten.

Allein für sich genommen macht das natürlich keinen Sinn. Bei kompletter Übernahme des US-Systems müssten Habilitation und Privatdozentur ohnehin abgeschafft werden. Doch als ein Baustein im traditionellen deutschen Universitätssystem hatten sie durchaus eine Funktion und sie können diese meiner Ansicht nach auch für die absehbare Zukunft behalten. Ein wissenschaftlicher Markt rein persönlicher Reputation ohne Abschlüsse und Titel mag an der Spitze funktionieren, in der Breite gibt es Probleme. Hier schützen Mindestanforderungen und institutionelle Reputation vor schlimmstem Missbrauch bei der Verteilung staatlicher (Quasi-)Renten. Die staatliche Besoldung will Herr Bachmann vermutlich auch abschaffen, doch das unterstreicht nochmals das Zusammenwirken der Systemelemente.

[I]n an international science labor market, Germany is subject to a massive adverse selection (which it is anyway, but it might be exacerbated by this mechanism): if somebody has a chance to get an up or out decision 6 years after their PhD at the age of, say 30 or a little older, and then still has the chance of doing something else (and can thus more easily build a family) - why would they not go to the US or comparable systems? There is a danger that what Germany is left with are the people who do not want to or cannot (because they would not be selected by the top US universities) face this early competition.

Adverse Selektion ist ein Problem, doch über Länder-, Sprach- und Kontinentalgrenzen ist die Mobilität selbst in der relativ mobilen Wissenschaft noch vergleichsweise klein. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum Nachwuchswissenschaftler in Deutschland bleiben. Man könnte sogar umgekehrt fragen, warum Personen, die einmal gegangen sind, wieder zurückkommen und ob in dieser Personengruppe die adverse Selektion nicht viel größer ist als bei denen, die gar nicht erst gingen.

As I have said before: this system works, and not just at Ivy League institutions. Or is the Wirtschaftsphilosoph saying that tenure decisions in US universities are on average poor?

Natürlich nicht, wobei es große Unterschiede zwischen den Top 300 und den Bottom 1000 gibt. Ein weiterer großer Systemunterschied ist der, dass in den USA mehr und differenziertere Marktchancen für die nicht ganz so guten Nachwuchswissenschaftler bestehen. Wer es nicht in den Top 10 schafft, findet ein Plätzchen in den Plätzen 11 bis 100, wer von dort kommend eine immer noch akzeptable Professur braucht, findet sie in den Top 300 etc. In Deutschland haben es hingegen Privatdozenten und Juniorprofessuren, die keine Universitätsprofessur auf Lebenszeit erringen, sehr schwer, da sie an den Fachhochschulen nicht so gerne genommen werden und weitere Optionen im Hochschulsystem kaum bestehen. Außerhalb des Hochschulwesens werden auch in marktgängigen Fächern lieber frisch promovierte als habilitierte Wissesnschaftler genommen.

The way I understand the system is that in order to keep the title of Privatdozent one needs to teach (mostly for the home university) for essentially nothing. I may be wrong here. If it’s just the title, why not keep it for life without having to teach?

Um den Titel ‘Privatdozent’ und die Lehrbefugnis zu behalten, muss man regelmäßig lehren. An der verleihenden Universität hat man das Recht, diese Lehre zu erbringen, wobei ich von einem Fall gehört habe, wo die Universität dafür Raummiete verlangte, der betreffende Privatdozent also nicht nur nichts bezahlt bekam, sondern noch etwas bezahlen sollte. Die Lehre kann alternativ an einer anderen Universität erbracht werden, wenn man dort z. B. einen Lehrauftrag oder eine Gastprofessur hat. Wer dauerhaft den Standort wechselt, kann sich auch umhabilitieren und Privatdozent anderswo werden. Nach fünf Jahren Privatdozentur kann auf Antrag der Titel ‘außerplanmäßiger Professor’ bzw. ‘apl. Prof.’ verliehen werden, der ebenfalls mit keiner Stelle und Bezahlung verbunden ist. Was man nicht wieder verliert, auch wenn man zu lehren aufhört, ist die Habilitation, die in einigen Bundesländern zum Titel ‘Dr. habil.’ führt, der allerdings nicht additiv, sondern nur ersetzend zum normalen Doktortitel geführt werden darf (und auch von den meisten Professoren einschließlich mir nicht explizit verwendet wird).

I tried to make a bigger point that the Wirtschaftsphilosoph seems to have missed. He argued essentially that if people voluntarily want to become Privatdozenten and teach for essentially nothing, we should let them. My argument was: this very neoclassical, individualist principle is OK and I respect it, but I was also pointing out that this is not how in general we organize our society. Sometimes we do, sometimes we do not, i.e. we sometimes have provisions that prevent people from voluntarily becoming unfree. I was merely suggesting that the Privatdozenten case might be one such case, which we should prevent from happening as an academic community.

Wenn ich den Punkt nicht richtig gesehen habe, dann ist das leider immer noch der Fall. Mir ist nicht klar, worin die Unfreiheit der Privatdozenten bestehen soll. Sie haben oft keine der Qualifikation entsprechende Stelle, aber macht sie das unfrei? Sind Arbeitslose unfrei? Außerdem müssen Privatdozenten unbezahlt lehren, meist eine Veranstaltung pro Jahr (oder je nach Universität auch pro Semester), um Privatdozenten zu bleiben. Doch sie können den Titel jederzeit aufgeben, wenn sie möchten. Er ist auch kein formales Berufungskriterium für eine reguläre Professur, für die faktisch irgendwann ohnehin kein Ruf mehr zu erwarten ist. Schließlich gibt es noch eine große Gruppe an den Hochschulen, die zu vergleichbaren Bedingungen ohne Honorar nur für den Titel lehrt, nämlich die Honorarprofessoren. Sind sie unfrei? Sie sind jedenfalls meist alles andere als arm, sondern ziehen aus dem Titel oft mehr geldwerte Vorteile als hauptamtliche Professoren überhaupt verdienen.

Another Response to The Lumpy Economist

I am glad to answer (again) to Rüdiger Bachmann alias The Lumpy Economist and his post “The Wirtschaftsphilosoph Responds”, this time at both our blogs simultaneously and thus for the first time in English.

In fact, we do not need dissertations at all. Let the academic market via reputation and publication decide these things. I am of course aware that there is potential for market failure, but by and large the US (and now international) Economics job market system works. People there take professorships without even having finished a dissertation.

I think we are talking about different markets and experiences here. For the best universities and academics I do agree. Formal degrees are neither necessary nor sufficient for excellent scholars. Nevertheless, degrees can be valuable signals of scholarship that is not evident. On average, someone with a doctorate from a good university is better than someone without and the same holds for a habilitation. I have seen several searches for professors in which only the lack of a habilitation or any equivalent prevented the hiring of an academically very poor candidate. The same is true for the doctorate at universities of applied sciences without which many more practitioners without any academic credentials would be appointed. Also in the USA outside of the small circle of top universities the requirement of a PhD for professors is sensible. Good would-be professors can quite easily write a dissertation or even hand in their articles as a cumulative one such that I always wonder why applicants have not already done so if they are really so good.

What did I mean by “ist gar nicht klar, dass vergleichbare, nur dann offensichtlich schlechtere Bedingungen als an US-Spitzenhochschulen wirklich die bessere Wettbewerbsstrategie sind als ein Nischenplatz mit langer Tradition und eigenen Liebhabern“? I was talking about an important general point that is not only relevant for universities but also commercial companies or economic systems. Often there is not just one best strategy everyone should try to copy. Firstly, there could be different equilibria. Several of them could be equally good. Even if one is the absolutely best one, the second one could be only slightly worse such that the switching costs would be higher than any gain from switching. Secondly, one equilibrium does not mean that all players must have the same optimal strategy. Even if strategy A is clearly the best one, the best answer to it could be strategy B, while all players playing strategy A could be detrimental to all of them or all others but the first mover. For the second mover a niche strategy could be much better. This is especially true for German universities that (should) know that they cannot beat the best American universities and what happens to the losers in the USA that are in a much worse position and shape than any German university is.

First, there is the idea of insurance – maybe by making a scientific career too risky we select the wrong people in there (we could lose brilliant, but risk-averse people), but even if we do not, providing insurance is welfare-improving. So having a system that tells people at the end of their twenties, whether they have a shot, versus a system that tells it to them at the end of their thirties or mid-forties is different in that respect.

This is a strong argument but the price for the proposed insurance could be too high. Yes, too much risk in academia (for the young academics, not tenured professors) is a problem because it lowers welfare and may attract the wrong kind of people. However, who decides on which evidence who is hired for life in his or her twenties and who will never be hired whatever (s)he may perform thereafter? I think such decisions would be quite poor. Instead, it should be as clear as possible what is expected to get tenure. Then everybody who wants to try it should have a chance.

Secondly, in society we have – for good reasons – other provisions that prevent us from making ourselves unfree. For example, any German labor court would void any labor contract that binds an employee for the rest of his life to an employer (although committing to stay no matter what may be the bilateral optimal thing to do). Right now the state government of NRW has com[m]itted to “feed” me for the rest of my life, but I have no such obligation to the NRW government to work for them (I am sure this would be unconstitutional). Of course, we can debate whether the Privatdozenten case is such a case (and I am also sure that there are many Privatdozenten that are happy and treated well), but I do not think it takes too much of a liberal paternalism to see that some of these contracts are close to exploitation that maybe we should young (and maybe a little naive and enthusiastic) researchers protect from.

I am not sure what Rüdiger Bachmann is talking about here. It is correct that labour contracts binding employees for life are forbidden. Consequently, there exist no such contracts, neither at German universities nor anywhere else. There is no contract at all for a Privatdozent as such. This is a title, not a job, and one gets it after a successful habilitation and not by signing any contract. The real problem for Privatdozenten is that the title entails no money such that they either need some private funds (there comes the name from) or a job, either at the university or outside. The follow-up problem for Privatdozenten is that there are so few good and tenured jobs besides professorships at German universities such that most of them hold short-term and poorly paid appointments. How denying them even those opportunities helps them in any way or why it is even be called “social” I cannot understand. Good for all current Privatdozenten would be guaranteed life-time employment after the habilitation. However, this would destroy the academic prospects and opportunities for many younger academics.

Privatdozenten

Rüdiger Bachmann hat vor einer Woche seinen Blog “The Lumpy Economist – Der Lumpenökonom” gestartet und ist zumindest bislang noch aktiver als ich mit meist mehr als einem Beitrag pro Tag zu wirklich interessanten Themen. Etwas schade finde ich nur, dass es bislang keine Kommentarfunktion gibt. Doch mein eigener Blog und die Kommentarmöglichkeiten hier sind ein Substitut dafür.

So hatte ich Herrn Bachmann vor einiger Zeit zugesagt, etwas zur Privatdozentur zu schreiben,  und kann nun gut an seinen Beitrag “Privatdozenten” anknüpfen. Er hält sie für

dinosaur of the German university system [...]: Privatdozenten are researchers who have achieved the so-called Habilitation, another dinosaur (essentially a dissertation after the dissertation), but have not or not yet been hired as a professor.

Zumindest die Habilitation halte ich nicht für einen Dinosaurier, sondern eher für ein funktionale Äquivalent zum PhD. Dem Namen nach ist das der Doktortitel, der jedoch in Deutschland nicht nur für wissenschaftliche Karrieren qualifiziert und an dessen Erreichen häufig geringere Anforderungen geknüpft sind.

The interesting part: in order to keep their Privatdozenten title (and therefore de facto in many fields any chance for a professorship), they have to teach for the university that gave them the title almost for free (and no social security). Every department at every university in Germany has quite a few of those cheap teaching “slaves”.

Auch hier wage ich zu widersprechen. Die Habilitation oder vergleichbare Leistungen, etwa Publikationen oder das erfolgreiche Bekleiden einer Juniorprofessur, sind Voraussetzungen für die Berufung als Universitätsprofessor, nicht die Privatdozentur. Außerdem kann die mit ihr verbundene Lehre von zwei Semesterwochenstunden auch an einer anderen als der habilitierenden Universität erbracht werden. Wenn es sich bei Privatdozenten überhaupt um “Sklaven” handelt, dann sind sie es freiwillig mit der Freiheit zu gehen.

[W]e need to find ways to give young researchers an up or out decision (tenure in the U.S.) at a much earlier age.

Das erinnert mich doch stark an die unseligen Befristungsgesetze. Warum muss es eine definitive Out-Entscheidung geben? Solange die Beförderung (Up) nur von außen möglich ist, haben die Universitäten keinen Anreiz und auch keine Möglichkeit, ihre besten Köpfe als Privatdozenten billig hinzuhalten (für Habilitanden bzw. deren Betreuer ist das etwas anders, wozu ich bei Gelegenheit einmal Geschichten erzählen kann).

Nun will Herr Bachmann von den USA das Tenure Track-System übernehmen, wonach promovierten Wissenschaftlern gleich die Möglichkeit geboten wird, sich für eine Dauerstelle an derselben Universität zu qualifizieren. Dazu gehört dann auch die Out-Option, wenn die wissenschaftlichen Leistungen nicht hinreichend waren. Das deutsche System ist jedoch insgesamt anders und in sich ebenfalls stimmig (zumindest was die Privatdozenten angeht, bei den Juniorprofessoren könnte es anders aussehen). Man mag aus Gründen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit das System anpassen wollen, doch erstens muss das dann konsequent und nicht nur stückweise erfolgen und zweitens ist gar nicht klar, dass vergleichbare, nur dann offensichtlich schlechtere Bedingungen als an US-Spitzenhochschulen wirklich die bessere Wettbewerbsstrategie sind als ein Nischenplatz mit langer Tradition und eigenen Liebhabern.

Einig sind wir uns wohl darin, dass eine Beschäftigungsgarantie für alle Habilitierten als Lebenszeitbeamte (bis vor kurzem gab es eine solche ‘Pragmatisierung’ in Österreich) nicht sinnvoll sein kann. Die Stellen fehlen dann an anderer Stelle und weniger konkurrenzfähige Wissenschaftler nehmen dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Qualifizierungs- und Berufungschancen weg. Wichtig erscheint mir eine frühzeitige Aufklärung, spätestens nach der Promotion, welche Risiken mit einer Hochschulkarriere verbunden sind und wie die Stellensituation im jeweiligen Fach ausschaut. Auch die Kriterien, nach denen habilitiert und berufen wird, sollten möglichst transparent und wissenschaftsimmanent sein. Jede ausgekungelte oder quotierte Berufung einer wissenschaftlich schwächeren Person verhindert nicht nur eine wissenschaftlich bessere, sondern senkt auch das akademische Lehr- und Forschungsniveau auf viele Jahre.

Gedanken zum Betreuungsgeld

Um das sogenannte Betreuungsgeld wird aktuell politisch stark gestritten. Doch worum geht es eigentlich? In Deutschland gibt es bereits einen Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze für Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung. Dieser wird in gut einem Jahr auf Krippenplätze für ein- und zweijährige Kinder erweitert, ohne dass solche recht aufwendigen und teuren Plätze in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen würden. Ein Betreuungsgeld in Höhe von 100 Euro und später 150 Euro soll nun an diejenigen Eltern gezahlt werden, die ihr Kind nicht zur Kinderkrippe schicken. Damit ist es zuerst einmal  ein Mittel, eine Klagewelle aufzuhalten und viel höhere Entschädigungen für das Nichterfüllen des neuen Anspruchs auf Krippenplätze zu vermeiden. Das erscheint ökonomisch sinnvoll.

Interessanter ist die Frage nach den mittel- und längerfristigen Folgen des Betreuungsgeldes. Dabei ist auch nach dem Sinn des Rechtsanspruchs auf Kinderkrippenplätze zu fragen. Sollen die Eltern nun diese Plätze nutzen oder gerade nicht? Dabei erscheint es sinnvoll, drei  Gruppen von Eltern bzw. faktisch immer noch vor allem Müttern zu unterscheiden:

Erstens gibt es Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen wollen und das auch gut können. Das ist vollkommen in Ordnung und die Betreuung vermutlich effektiver, wenn auch nicht effizienter, als in Kinderkrippen, wo die Kinder gar nicht so individuell betreut werden können. Das Betreuungsgeld wäre für diese Personen eine willkommene Ergänzung zum Kindergeld, doch es ist nicht entscheidungsrelevant.

Zweitens gibt es Eltern bzw. Frauen, die sich gut um ihre Kinder kümmern können, aber daneben auch arbeiten wollen. Ihnen fehlen bislang hinreichende Betreuungsangebote, für die sie auch bezahlen würden. Sie brauchen kein Betreuungsgeld, sondern tatsächlich Krippen- und Kindergartenplätze, deren Subventionierung sie mitnehmen, aber nicht brauchen.

Drittens gibt es Eltern, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage oder willens sind, ihre Kinder hinreichend gut zu betreuen, so dass diese in Kinderkrippe und -garten besser aufgehoben wären. Diese Personen werden sich häufig, wenn auch nicht immer, von einem Betreuungsgeld davon abhalten lassen, ihre Kinder dorthin zu schicken, was kontraproduktiv wäre.

Deshalb ist das Betreuungsgeld insgesamt eine dumme Idee, weil es nur dort verhaltenswirksam wird, wo es gerade nicht sinnvoll ist. Eine allgemeine Erhöhung des Kindergeldes und sozial gestaffelte Gebühren bzw. Gutscheine für Kinderkrippen und -gärten wären viel besser.