Kauf griechischer Staatsanleihen

Heute habe ich erstmals griechische Staatsanleihen gekauft. Vielleicht sind es sogar meine ersten Staatsanleihen überhaupt (doch wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich vor vielen, vielen Jahren schon einmal Bundesanleihen). Auf die konkrete Idee brachte mich der Artikel “Euro-Sorgenkinder bieten fabelhafte Renditen”. Gekauft habe ich die dort benannte Griechenlandanleihe (siehe auch direkt bei der Börse Frankfurt). Aktuell liegt deren Kurs bei unter 42 % vom Nennwert, was bei voller Auszahlung zusammen mit den Zinsen von 4,3 % einem Ertrag von 148 % entspricht. Da die Anleihe bereits am 20. März 2012 zur Auszahlung kommen soll, wäre das eine Jahresrendite von über 500 %!

In diesem Fall ist Karl Marx zuzustimmen, bei solchen Renditen kann ein Kapitalist bzw. Ökonom kaum widerstehen. Natürlich ist diese Anleihe sehr spekulativ (meine Bank warnte mich online, dass ich hier etwas außerhalb meiner bisherigen Risikoklasse kaufe). Ich halte einen Totalverlust für möglich und habe nur kleines Geld investiert, dessen Verlust ich locker verschmerzen könnte. Trotzdem ist eine komplette Rückzahlung keineswegs ausgeschlossen (wobei ich gar nicht weiß, ob ich dann nur den Zinsanteil oder auch den ganzen Kursgewinn versteuern müsste). Noch wird Griechenland gestützt und ist formal solvent. Der ausgehandelte ‘freiwillige’ Forderungsverzicht von 50 % ist noch nicht durch und beträfe auch nur die an der Aushandlung beteiligten Banken, nicht Kleinanleger wie mich. Das führt zu der Frage, ob sich hier nicht eine riesige Arbitrage-Möglichkeit auftut, indem die Banken ihre Forderungen an Kleinanleger verkaufen. Doch selbst bei einer Kürzung um 50 % würde eine Bank oder ich noch verdienen. Der Markt preist also eine größere Verlusterwartung ein und ich spekuliere dagegen.

17 Antworten zu Kauf griechischer Staatsanleihen

  1. Marx liegt offensichtlich falsch, denn ich bin Kapitalist und Ökonom, und ich kauf(t)e das Zeug nicht. Schon gar nicht aus Gründen der Rendite; aus “Solidarität” halte ich solch Papiere indirekt in Lebensversicherungen, die ich nicht kündig(t)e. – Und das mit der “Arbitrage-Möglichkeit”: Das Vorhaben funktionierte so gar nicht, Griechenland würde ja nix an Schulden erlassen. – Und schließlich: Ist dieser Beitrag, die zwei “Ideen” einem Philosophen würdig? Ich habe große Zweifel…

    • Es gibt natürlich einen Zusammenhang von Rendite und Risiko. Doch bei gleichem Risiko sollte die höhere Rendite locken, so dass diejenigen, die immer noch meinen, Griechenland wäre gar nicht insolvent und würde alle Schulden begleichen, eigentlich nur noch solche Anleihen kaufen sollten.

      Bei der (unechten) Arbitrage bin ich nicht sicher, was Sie meinen. Griechenland selbst würden keine Schulden erlassen, doch darum geht es auch nicht bei einem Geschäft zwischen Banken und deren Kunden. Meinen Sie umgekehrt, dass Griechenland den Banken nichts erlässt? Doch wer keine Anleihen besitzt, der kann auch nicht an einer Umschuldung beteiligt werden.

      Die Frage, welche Themen einem Philosophen würdig sind, hatten wir schon einmal. Ein rein akademischer Philosoph würde vielleicht keine Anleihen kaufen, sondern sein Geld verschenken. Als Wirtschaftsphilosoph beschäftige ich mich allerdings auch mit den ganz praktischen Fragen des Lebens und Wirtschaftens, aus denen sich dann häufig auch allgemeinere Erkenntnisse gewinnen lassen.

      • Wenn griechische Schulden ausschließlich von Kleinanlegern gehalten werden und diese von einem Forderungsverzicht ausgenommen sind, wird Griechenland nichts von seinen Schulden los. Je mehr …, desto weniger …

      • Auf diese Weise wird Griechenland seine Schulden ohnehin nicht los. Dafür wäre es interessanter, auch wenn das die Ratingagenturen nicht gerne sehen, wenn Griechenland diese Anleihen selbst zum Kurs von 42 % kauft, statt 100 % dafür zu zahlen oder nach einer schwierigen ‘freiwilligen’ Umschuldung immer noch 50 %. Dass das nicht geschieht bzw. der Kurs immer noch so niedrig ist, lässt in der Tat befürchten, dass mit einer vollen Rückzahlung keiner mehr rechnet, auch der Schuldner selbst nicht oder die vielen Euro-Retter und Kritiker ‘irrationaler’ Finanzmärkte.

  2. @WP
    “..meine Bank warnte mich online…”

    LOL, die Bank hat gewarnt? Da sollte man dann sofort zuschlagen! Wenn die Bank einem was andrehen will, da sollte man die Finger von lassen!

    Hoert sich ganz interessant an. Sollte man hier 10.000 Euro riskieren?

    1) Selbst bei einem Schuldenschnitt der nur 30% aller Schulden Griechenlands zurueckzahlt, ist der Verlust unter 3.000 Euro. (Wahrscheinlichkeit 10%)

    2) Wenn zurueckgezahlt wird am 12 Maerz hat man aus 10.000 Euro 25.000 gemacht. (Wahrscheinlichkeit 60%)

    3) Da Risiko dass gar nichts zurueckgezahlt jemals von Griechenland ist natuerlich auch da, dann hat man 10.000 Euro verloren. (Wahrscheinlichkeit 10%)

    4) Und dann kann natuerlich auch noch ein 50% Schuldenschnitt drohen (Wahrscheinlichkeit 20%). Da verliert man nichts, denn man hat ja zu unter 50% gekauft (der Wert ist nur 42% vom Nennwert)

    Wahrscheinlichkeit mal Rueckzahlungswerte:
    1) 10% von 7.000 = 700
    2) 60% von +25.000 = 15.000
    3) 10% von 0 = 0
    4) 20% von 10.000 = 2000

    Nach meinen Wahrscheinlichkeiten (jeder kann hier seine eigenen Zahlen einsetzen) macht man hier aus 10.000 Euro 17.200 Euro bis zum 12 Maerz.

    Ich ueberleg mir mal, ob ich mein Sparbuch pluendere – vielleicht noch den Gipfel abwarten.

    • Vorsicht! Einerseits denke ich schon, dass jemand mit Ihren Überzeugungen solche Anleihen noch viel eher kaufen sollte als ich. Andererseits geht es hier um echtes Geld und Risiko. Sie sollten sich für eine solche Spekulation auf keinen Fall verschulden oder dringend benötigte Gelder wetten (so nach dem Motto, dann kann man leicht aus einer Millionen zwei machen). Wenn Sie das Geld allerdings nicht brauchen, worauf das real wertvernichtende Sparbuch hindeutet, dann lohnt es den Versuch.

  3. Zur Information: Sie müßten auch den Kursgewinn versteuern. Der Steuerabzug geschieht dann automatisch durch die Bank bei der Gutschrift. Ob die Anleihe überhaupt ausgezahlt wird, ist fraglich, da Griechenland damit ‘droht’, alle Anleihen zwangsweise abzuwerten und auf längere Laufzeiten umzustellen, denn sie unterliegen griechischem Recht. Man könnte sie daher durch ein neues Gesetz sogar für wertlos erklären. Die jüngste OECD-Studie ergab, dass das Land grotesk ‘verwaltet’ wird, nämlich gar nicht! Die Regierung ohne Verwaltung ist nahezu machtlos. Die Hoffnung für Anleihe-Käufer liegt vor allem darin, dass die EU das Land aus politischen Gründen nicht fallen lassen würde, daher weiter zahlt. Die Alternative wäre ein völliges Chaos, direkt neben der Türkei und Israel.

    • Danke für die Information zu den Steuern, die übrigens eine grundsätzliche Schwäche von Kapitalertragsteuern zeigt: Das übernommene Risiko wird nicht richtig abgebildet, insbesondere seitdem die Verrechnung von Verlusten mit anderen Einkunftsarten eingeschränkt bis abgeschafft wurde.

      Die Rendite ist übrigens auch schon ohne Steuern etwas (aber nicht viel) niedriger, als von mir angegeben, weil ich die Berechnung von Stückzinsen vergessen hatte: Vom Nominalwert zahlt man knapp 42 %, aber die Zinsen von 4,3 % für die laufende Periode zeitanteilig (fast 3/4 sind schon um) voll, was den Preis und das Risiko etwas erhöht.

      Ob die konkrete Anleihe griechischem Recht unterliegt, weiß ich gar nicht. (Auch das ist eine wichtige Nebenerkenntnis: Anlageentscheidungen werden keineswegs vollständig informiert getroffen.) Bei einer Staatsinsolvenz ist das aber fast egal, da auch solche nach z. B. britischem Recht einfach nicht mehr bedient würden.

      Ohne Hilfe anderer Länder wäre Griechenland schon längst insolvent. Ob dann totales Chaos droht, ist nicht klar (für Griechenland mag das zutreffen, für Deutschland erwarte ich das keineswegs).

  4. Deutschland hat ja einen funktionierenden Staat, der Steuern eintreibt, aber Griechenland nicht! Hierzu wurde gerade eine OECD-Studie veröffentlicht. Ich zitiere aus dem ‘Hamburger Abendblatt’: ‘Überbesetzte Führungsstäbe, keine Budgetgrenzen für Ministerien, Behörden arbeiten nebeneinander her – Griechenlands Administration ist offenbar katastrophal organisiert und weitgehend reformunfähig. Das geht aus einem Report der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor’. Es heißt dann: ‘Die Verwaltung habe „nicht die Gewohnheit, Akten zu führen oder die Fähigkeit, Informationen aus Daten herauszulesen, wenn Daten überhaupt vorhanden sind“! Auch alle anderen Zeitungen berichteten über diese Studie. Die einzige Hoffnung für die Privatanleger mit griechischen Anleihen sind weitere Finanzhilfen der EU. Man will ja wegen des Euros und aus politischen Gründen eine offizielle Staatspleite vermeiden! Ob das aber auch 2012 so bleibt, ist unsicher.

    • Von der Studie habe ich auch gelesen. Ich frage mich, wie das mit der deutschen Mentalität in einem Superstaat zusammenpassen soll. Auf längere Sicht lässt sich eine Staatspleite anders gar nicht verhindern. Doch ich hoffe immer noch, dass Vernunft einkehrt und Staatsinsolvenzen sowie Euroaustritte als die klar bessere Lösung zugelassen werden. Mein Anleihenkauf ist quasi Hedging dagegen.

  5. Eine Staatsinsolvenz bedeutet für Griechenland, dass weitere Zahlungen aus dem Hilfspaket von IMF usw. nicht mehr geschehen können. Der Staat könnte, schlicht und einfach, nichts mehr bezahlen, weder Gehälter noch Renten, weder Polizei noch Feuerwehr, auch nicht bei einem Austritt aus dem Euro. Dieser bedeutet, dass man sich stattdessen ‘Drachmen’ ausdruckt, die aber faktisch wertlos wären, so eine Art Buntpapier mit dem Aufdruck einer Staatsbank, die sich nicht einmal Bleistifte kaufen könnte. Der Zusammenbruch der Sozialsysteme ist eingeleitet. Das Gesundheits-System bricht nun zusammen. Lesen Sie bitte http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/12802/ Auch das ist ein Zeichen für einen scheiternden Staat, wenn Kranke sterben, während sich Milliardäre auf Yachten sonnen, Steuern nicht zahlen, ihre Gelder in die Schweiz brachten. Eine unfähige Bürokratie, sogar mit zig ‘Abteilungsleitern’ ohne einen einzigen Mitarbeiter. Kaum faßbar, das Leid der Bevölkerung, diese Ignoranz der noch Mächtigen. Die Menschen stehen vor Suppenküchen Athens Schlange, betteln dort um etwas Brot. Man könnte dort vielleicht noch, wie es ja auch bei Afrika üblich ist, Computerschrott entsorgen oder Atommüll?

    • Das trifft einfach nicht zu, dass Griechenland nach einer Staatsinsolvenz nichts mehr bezahlen kann (siehe z. B. auch Argentinien). Der Staat bekommt keinen Kredit mehr, hat aber immer noch Steuereinnahmen, sei es in Euro oder auch Drachmen. Dass Land exportiert weiter (Tourismus dort zählt z. B. als Export und bringt Devisen) und kann in dem Maße importieren. Dass es neben Armut zugleich Milliardäre gibt, zeigt doch gerade, dass nicht das ganze Land arm ist und Geld von außen unbedingt nötig wäre. Wir sollten eher beim Aufbau einer effizienten Finanz- und sonstigen Verwaltung helfen.

  6. Ein Aspekt wird völlig außer acht gelassen. Die ganzen Credit Default Swaps, die auf Griechenland geschrieben sind. Hier liegt die größte unkalkulierbare Sprengkraft der Finanzmärkte. Wenn dieses Risiko annähernd beherrschbar wäre, würde man Griechenland sofort Pleite gehen lassen. Aber man kann es nicht! Aus diesem Grunde mischen die Amerikaner, Briten usw. über den IWF mit und sind bestrebt eine “Lösung” zu finden. Im Defaultfall, den es um jeden Preis zu vermeiden gilt reden wir über andere Größenordnungen als den rd 350 Mrd. € griechischen Staatsschulden. Hier geht es dann schnell um 800 Mrd. €, da die CDS nicht zur Absicherung von bestehenden Positionen verwendet werden, sondern auch als spekulative Instrument bei den Hedgefonds sehr beliebt ist. Welche Auswirkungen es hat bei den CDS als Sicherungsgeber zahlen zu müssen, hat man zuletzt bei der Lehman-Pleite gesehen, die hierdurch die Pleite des größten Versicherers der Welt (AIG) auslöste. Hätte der amerikanische Staat, damals die Pleite von AIG nicht durch die rd. 100 Mrd. $ Staatshilfen abgefangen, wäre die anderen Investmentbanken (u.a. die Deutsche Bank) auch leer ausgegangen, was einen Dominoeffekt mit Bankenrun ausgelöst hätte, der nicht mehr kontrollierbar gewesen wäre. Insofern halte ich eine Pleite auch wenn sie wünschenswert wäre für nahezu ausgeschlossen und zwar nicht wegen Griechenland sondern wegen der daraus unmittelbar folgenden Konsequenzen. Eine Griechenland-Pleite würde eine deutlich größeres Finanzerdbeben auslösen als Lehman. Das gilt es aus Sicht der Troika zu verhindern. Die ganzen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung sind ein Pokern. Es geht daraum, dass die Beteiligten ihr Gesicht wahren können und so wird am Ende auf den letzten Drücker wie immer ein fauler Kompromiss präsentiert, der die nächste Zahlung sichert, den selbst wenn die Privatgläubiger nicht wie gefordert auf 100 Mrd. € verzichten sondern nur auf z.B. 50 Mrd. € wird man es nicht auf einen Default ankommen lassen und am Ende die Märzanleihe zu 100% nebst Zinsen zahlen.

  7. Wirtschaftsjournalist

    Zu den CDS vielleicht kurz der neueste Stand:

    1. Naked Sales (also Kauf ohne das fundamentale Risiko) sind in vielen/den meisten europäischen Ländern mittlerweile verboten – zumindest bei CDS auf Staatsanleihen.

    2. In den USA und Europa sind inzwischen Reformen zur Kontrolle des CDS-Handels in die Wege geleitet worden. Laut dem Dodd-Frank Act in den USA muss der Handel mit CDS, der bislang ganz überwiegend außerbörslich zwischen Banken stattfand, künftig verpflichtend über Clearing-Stellen mit einer Central Counter Party (CCP) abgewickelt werden. Die CCP oder zentrale Gegenpartei hat vier wesentliche Features:

    a) Sie tritt als Intermediär zwischen Käufer und Verkäufer. Dadurch wird das Kontrahenten-Risiko (die Gegenpartei, die womöglich AIG heißt, fällt aus) ausgeschlossen oder doch zumindest reduziert.

    b) Damit die CCP im Zweifelsfall tatsächlich einspringen kann, muss sie über entsprechende finanzielle Mittel verfügen. Die werden aufgebracht, indem die Marktteilnehmer entsprechend den beabsichtigten Handelsvolumina Sicherheiten hinterlegen und Gebühren zahlen müssen. Dies wiederum dürfte die Handelsaktivitäten und Spekulationen etwas dämpfen.

    c) Der Handel über die Clearing-Stelle hat zur Folge, dass die CDS-Produkte standardisiert werden. Damit sinken – wie die Erfahrungen bei anderen Derivaten zeigen – die Margen der Dealer-Banken kräftig. Auch dies mindert den Anreiz, mit CDS zu spekulieren.

    d) Über die Zentrale Gegenpartei (über die ja alle Transaktionen laufen) können die Aufsichtsbehörden systematisch Daten über den CDS-Handel sammeln. So können die Behörden möglicherweise rechtzeitig erkennen, wo sich (siehe Griechenland) spekulative Blasen mit systemischen Risiken bilden, und entsprechend handeln. Bislang ist das Problem, dass niemand genau weiß, wieviele CDS z. B. auf griechische Bonds überhaupt im Umlauf sind. Die Angaben divergieren sehr stark.

    In den USA ist der Handel über die Clearing-Stellen mit einer CCP bereits angelaufen. In der EU wollen die Behörden noch 2012 in die Hufe kommen.

    Freilich versuchen die großen Dealer-Banken von der Wall Street und aus Europa, das Heft in der Hand zu behalten. Sie wollen das CDS-Clearing auf bestimmte Börsen wie ICE Trust konzentrieren, an denen die Banken beteiligt sind und wo sie die Terms (mit-)bestimmen können.

    • Interessant, trotzdem weiß doch momentan niemand, wer wie viele CDS besitzt oder dafür zahlen müsste. Das Verbot gilt meines Wissens nach auch nicht rückwirkend oder für hiesige Banken im Ausland. Es ist also möglich, dass hier große Risiken geschaffen statt reduziert wurden, doch niemand weiß es so genau.

  8. Wirtschaftsjournalist

    “trotzdem weiß doch momentan niemand, wer wie viele CDS besitzt oder dafür zahlen müsste … ”

    Insider wissen dies schon. Es gibt in London einen Finanzdienstleister namens Markit Group, der regelmäßig Handels- und Preisdaten zu fast allen gängigen CDS sammelt. Die Daten werden aufbereitet und dann an die Kunden verkauft. Dies sind mehrere Tausend Banken, Hedgefonds und andere Marktteilnehmer aus aller Welt. Eigentümer von Markit sind etwa zehn bis zwölf Großbanken aus Europa und den USA, darunter die üblichen Verdächtigen von der Wall Street.

    Die CDS-Spreads, die Markit ermittelt, dienen vielen Banken dazu, die Bonität der versicherten Risiken einzuschätzen. Die Preise von CDS reagieren erheblich schneller als die Ratingagenturen mit ihren Bonitätsnoten.

    Der Markt für die Erhebung und Verbreitung von Handels- und Preisdaten ist allerdings ziemlich intransparent. Schon vor einigen Jahren hat die Antitrust Division des amerikanischen Justizministeriums Untersuchungen wegen Wettbewerbsbehinderung gegen führende Dealer-Banken eingeleitet. Vor etwa einem Jahr hat sich auch die Kartellbehörde der EU eingeklinkt. Herausgekommen ist bei den Untersuchungen, soweit mir bekannt, bisher allerdings noch nichts.

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